Konzeption - 8

Table of contents


2. Ziele der Einrichtung (Angelehnt an den Sozialbericht 2006 der Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V.)

Das wichtigste Ziel, das wir uns gesetzt haben ist es,

 >Lebenskompetenzen zu vermitteln

Um diese Lebenskompetenzen zu erreichen, sind andere Kompetenzen Grundlage.

  1. eine schnelllebige Wissensgesellschaft braucht, intelligente, denkfähige und problemlösende Bürger, die neugierig sind auf das was kommt und sich dieses dingbar machen >Kognitive Kompetenz<
  2. eine unsichere Risikogesellschaft braucht, widerstandsfähige, flexible und individuelle Bürger, die für sich und andere Verantwortung tragen >Personale Kompetenz<
  3. eine anspruchsvolle Arbeitsgesellschaft braucht, lebenslang lernende, pflichtbewusste, ehrgeizige Bürger, die für sich und andere eine umweltfreundliche wie kollegiale Arbeitswelt mit gestalten und erhalten wollen. >Soziale Kompetenz<
  4. eine notwendige und demokratische Gesellschaft braucht, politisch interessierte, wahlbereite Bürger, die Informationen kritisch abwägen und öffentliche Belange regional-, bundes- und weltweit mit gestalten wollen >Demokratische Kompetenzen<
  5. eine tolerante Zivilgesellschaft braucht,weltoffene, solidarische und kooperative Bürger, die Menschen aller Art akzeptieren und gemeinsam mit ihnen Ziele wie Wege für ein friedliches Miteinander erarbeiten. >Partizipation und Emotionale Kompetenzen<


2.1 Umsetzung der Ziele

Nur wer sich sicher, angenommen und wohl fühlt, kann sich auf das Lernen und auf Neues einlassen, deshalb ist uns das tägliche Ankommen besonders wichtig. Das freundlich, wiederkehrende Begrüßungsritual gibt Sicherheit, Struktur und vermittelt das Angenommen sein (hast du neue Hausschuhe, ist die Mama wieder gesund, etc.).

Das Interesse von Seiten des Erziehers ist die Grundvoraussetzung für eine vertrauensvolle Interaktion. Alle Erzieher führen in ihren Funktionsräumen sporadische, wie gezielte Beobachtungen für jedes einzelne Kind durch. Die Beobachtungen werden im Team ausgewertet und besprochen, so können Entwicklungs- und Lernschritte, Interessen, Probleme und Konflikte der Kinder erkannt und gemeinsam gelöst werden. (Entwicklungsdokumentationen werden fortgeschrieben und mit den Eltern, Lehrern, Therapeuten wie JU besprochen, nur so ist eine Veränderung für das Kind zu erreichen). Unsere Arbeit soll transparent, offen und wertschätzend für alle sein (Natürlich werden die Eltern informiert und ihre Genehmigung eingeholt).
Das Personal, die Kinder und deren Eltern, die unsere Einrichtung besuchen, tragen alle eine persönliche und individuelle Lebensgeschichte in unser Haus und Leben hinein. Wir alle lernen täglich Neues in Form von Sprache, Kulturen, Religionen, Persönlichkeiten, Ansprüchen, Aussehen, Auftreten, Essen, Wissensständen, Interessen, Vorlieben, Behinderungen, Krankheiten und Lebensformen kennen. Manches ist uns bekannt, manches fremd oder erschreckt uns. Dies alles sind wir in unserer Einrichtung bereits gewohnt und wir haben gelernt, dass wir darüber offen sprechen können und uns nicht davor scheuen, die für uns Fremdartigkeit anzusprechen. Einige Eltern und Kinder sind dazu bereit,  uns an ihrem „Anders sein“ teilhaben zu lassen. Sie kochen Speisen aus ihrem Land, erzählen von ihrer Krankheit, schämen sich nicht uns allen ihre Behinderung zu erklären. Wieder andere brauchen noch mehr Zeit und Vertrauen, um sich zu öffnen.

Wir akzeptieren beides und besprechen mit den Kindern gemeinsam immer wieder, dass bei uns alle Menschen willkommen sind und jeder ein wichtiges Mitglied in unserer Gemeinschaft ist. Jeder ist einzigartig, jeder hat seinen Platz im Ganzen und jeder kann etwas Besonderes, was ihn eben so einzigartig macht. Alle Kinder lieben ihre Eltern mit all ihren Eigenschaften und deshalb ist deren „Angenommen sein“ in unseren Häusern eine wichtige Vorraussetzung, um Konflikte auszuhebeln und sich angenommen fühlen zu können:

>Partizipations- Kompetenzen Emotionale Kompetenz<,

>Demokratische Kompetenzen Personale Kompetenz<

Das Lernen, lernen wir in den einzelnen Hausaufgaben- und Kleingruppen, die individuell gestaltet sind. Jede Altersgruppe braucht spezielle, wie auch allgemeine Elemente. Es gibt Pausen zum Plaudern, um sich zu erholen, um Wichtiges, was gerade für das einzelne Kind vorrangig ist, mitteilen zu können, um dann wieder zur konzentrierten Arbeit zurück kehren zu können oder erst beginnen zu können. Jeder Erzieher hat da eigene Vorlieben und Vorgehensweisen (Kinesologie, Witz und Humor, Entspannungs- oder Bewegungsübungen, etc.).

Mit den jüngsten Kindern muss die tägliche Hausaufgabenerledigung erst eingeübt werden. Mit den Kindern in der vierten Klasse ist es wichtig, dass der Druck der Selektion gemindert wird und realistisch ihre weitere Schullaufbahn besprochen wird. Elterngespräche sind bei diesem Thema sehr wichtig. Spätestens in der 5. Klasse sind individuelle Lernstrategien bei den Hausaufgaben einzuführen (Lernplakate, Karteikartensysteme, eigenen Lerntyp entdecken und dessen Eigenschaften erläutern, etc.). Jeder Erzieher ist für seine Gruppe verantwortlich, wobei Hilfe vom Team jeder Zeit möglich ist. Die höheren Klassen brauchen Hilfe zum erfolgreichen Selbstmanagement, um Lernstoff zu erarbeiten. Es muss viel Zeit und Raum für die individuelle Begabung gegeben werden, die in den verschiedensten Bereichen liegen kann. Die Erfolge, die zum Beispiel beim Sport erlebt werden, können dann in die Lernsituation oder dem Verhalten übertragen werden.

Hier spielt auch das Beschwerdenmanagement eine große Rolle. Partizipation bedeutet Mitbestimmung der Kinder in allen Bereichen, welche das Kind betreffen. Nur Kinder, die auch gelernt haben, Kritik äußern zu dürfen und dabei ernst genommen zu werden, werden in ihrem späteren Leben ihre Meinung äußern, hinter dieser stehen und bereit sein, Kompromisse einzugehen.

In unserer Einrichtung haben die Kinder in verschiedenen Bereichen die Möglichkeit ihre Kritik zu äußern. Es steht ihnen jederzeit Möglichkeiten zur Verfügung wie zum Beispiel ein Briefkasten, in dem sie ihre Beanstandung einwerfen können, in der Kinderbefragung, der täglichen Kinderkonferenz und der Teestunde werden sie impliziert danach gefragt, ob sie Veränderungswünsche haben. Nicht zuletzt der Bezugserzieher, zu dem die Kinder eine Bindung und somit Vertrauen aufbauen, ist Anlaufstelle für ihre Kritik, Wünsche und Bedürfnisse.


So kann >Personale Kompetenz, Soziale Kompetenz, Emotionale Kompetenz< aufgebaut und gefestigt werden. Diese erlangten Kompetenzen können dann auf andere Bereiche positiv einfließen.

Für alle Altersstufen gilt, dass sie durch ein Selbstbewertungssystem sich und ihre Arbeitsleistungen erkennen sollen. Dieses „sich selbst einschätzen zu lernen“ ist der erste Schritt zum erfolgreichen Selbstmanagement, um Wissen zu festigen. Dies dient uns zur Dokumentation der Hausaufgabensituation und für Gespräche mit Eltern und Lehrer.

Freitags und vor Feiertagen erledigen wir keine Hausaufgaben, sondern haben Zeit für Aktivitäten zum Jahresthema, Jahreskreis und die Wünsche der Kinder. Diese Wünsche, wie auch das Ferienprogramm werden immer mit den Kindern besprochen und realisiert (Kinder führen Interviews durch, Fragen Preise nach, Helfen bei Recherchen, etc.). Per Mehrheitswahl wird abgestimmt und dies muss dann von allen akzeptiert werden:

>Demokratische Kompetenzen<

Demokratie muss man erfahren und erlernen. Demokratie lernen die Kinder bei uns in der täglichen Kinderkonferenz und ab Februar 2012 durch unsere Verfassung und im täglichen Hortalltag (z.B. Wunschwand, Wunschbox für die Snackstunde, Konfliktlösungsstrategien und Prävention, etc.).

Wichtig für uns ist es, die > Rechte der Kinder zu stärken <.

In einer Gemeinschaft, in deren Vordergrund das soziale Miteinander steht, ist es notwendig, den Gruppenaspekt vor die Individualität zu setzen. Die Entwicklung des Sozialverhaltens darf nicht der Individualität untergeordnet werden. Wir möchten, dass die Interessen der anderen Kinder toleriert werden und allen die gleiche Wertschätzung entgegen gebracht wird, ohne die Individualität zu vernachlässigen.

„Pädagogische Gerechtigkeit bedeutet, nicht jedem das Gleiche, sondern jedem Das, was er braucht.“

Jedes Kind hat im Kinderhort das Recht, mit seinen individuellen, sozialen und kulturellen Voraussetzungen angenommen zu sein. Wir möchten mit den Kindern leben, lernen und sie gemäß ihren Bedürfnissen in ihrer Entwicklung begleiten. Die Kinder haben das Recht auf Unterstützung ihres leiblichen, geistigen und seelischen Wohls.

Die Kinder suchen sich ihre tägliche Freizeitbeschäftigung, die Spielpartner, die Spieldauer individuell je nach ihrer Tagessituation selbständig aus (solange keine Regelverletzung vorliegt). Die Freizeitaktivitäten können durch die Vielfalt der Räume und des Personals auch täglich für die Kinder individuell gestaltet werden. Die Kinder müssen jedoch auch lernen, Widerstände aushalten zu können. Zum Beispiel, wenn das Wunschzimmer bereits besetzt ist oder der Wunschpartner nicht zur Verfügung steht. Der Erzieher ist im Freispiel Partner und Begleiter, wie auch Beobachter. Kurzbeobachtungen werden in einem Ordnerl dokumentiert. Sollten sich Kinder über das normale Maß hinaus und nicht mehr entwicklungsgerecht oder einseitig beschäftigen, wird dies im Team analysiert, gegebenenfalls mit den Eltern besprochen, so wie Hilfestellungen erarbeitet. Der Erzieher ist Vermittler, Berater und Bezugsperson und hilft den Kindern, zum Beispiel als Vermittler, Kontakte zu Spielpartnern oder anderen Erziehern zu knüpfen.

>soziale Kompetenz<

Die Funktionsräume sollen die erforderliche Gegensätzlichkeit von Aktion- und Ruhephasen & Anspannung und Entspannung bieten.

Beispiele:

Bewegungsraum und  Snoezelenraum
Lernwerkstatt   und Kreativraum
Pausenhof und Garten (Wahrnehmng mit allen Sinnen)
Konstruktionsraum und Medienraum

 

 

 

 

 

 

Bildung, Qualifikation und Kompetenzen und das Erlernen von Diskurs- und  Konfliktfähigkeit entscheiden über die beruflichen und gesellschaftlichen Chancen eines jeden Menschen. Seine Zukunftschancen sind davon abhängig. Bildung bedeutet Entwicklung der Persönlichkeit, der Identität und der Gemeinschaftsfähigkeit.

Kooperations-Integrations-Projekt:
Wenn die Bildungsförderung für alle Kinder gilt, kann dies durch integrierte Strategien erfolgen. Diese integrierten Strategien setzen ein neues Verständnis von Kooperation zwischen Schule, Kita und Eltern voraus.
Soziale, kulturelle und sportliche Organisationen müssen mit einbezogen werden, denn dies schafft die Grundlage zur Förderung von individueller Begabung. Wir helfen deshalb den Jugendlichen Organisationen auszuwählen, die ihrer individuellen Begabung entsprechen. Das Eingebunden sein in einer Gemeinschaft/Gemeinde bietet Sicherheit. So öffnet sich der/die Lebens- und Erfahrungswirklichkeit von Kindern besonders den Jugendlichen und deren Eltern, die dadurch auch einen Aufbau von sozialen Kontakten erleichtert. Wir berücksichtigen die sozialen und ökonomischen Besonderheiten der Lebenssituation der Familien. Um dies leisten zu können, muss Beobachtung und Analyse vorab erfolgen, denn nur so kann eine realistische Unterstützung zur speziellen Förderung und Integration ermöglicht werden. Evtl. müssen Sponsoren für die Kosten der Organisationen gefunden werden. Der Hort selbst wird so zum Sozialraum und fördert über das Lernen hinaus soziale und emotionale Persönlichkeitsbildung.
Übergänge (Transitionen) zwischen Bildungseinrichtungen und Bildungsangeboten müssen so gestaltet werden, dass keine Brüche in der individuellen Lernbiografie entstehen. Es sollte immer eine zweite Chance geboten werden, so dass die Kinder ein neues Ziel zur eigenen Weiterentwicklung anstreben können. Beispiel hierfür in unserer Einrichtung ist die Bewältigung des Einstieges in die Schule, die Möglichkeit in der Förderschule zu bleiben, in die Grundschule zurück zu kehren, den Übergang in eine höhere Schule zu schaffen und dort zu bestehen, die Hauptschule mit einem Abschluss zu verlassen, Einblicke in die Arbeitswelt durch Schnupperlehren zu ermöglichen, in die Arbeitswelt selbstsicher einzutreten. Um Ziele sichtbar zu machen, können die Kinder Bildungsbücher anlegen und gemeinsam mit dem Erzieher individuell führen.
Der Erwerb von Alltagskompetenzen bis 14 Jahre, sowie der Aufbau eines eigenen Lebensentwurfs, von Beziehungen und Partnerschaft stehen für die jungen Menschen genauso im Vordergrund, wie der Erwerb einer beruflichen Voraussetzung.
Familie und Bildung gehören für uns zusammen.
Kinder mit/ohne mehr Förderbedarf sind Gewinn bringend für alle Kinder und Erzieher. Sie können von einander lernen und spielerisch wächst ein respektvoller und positiver Umgang miteinander. Grundsätzlich gilt eine Wertschätzung aller Kinder mit ihren bunten Facetten untereinander, von den Eltern, dem Umfeld und vom Personal. Jedes Kind wird als individuelles, kompetent handelndes Wesen erkannt und so wie es ist, angenommen.
Jedes Kind kann im Rahmen seiner Interessen und Möglichkeiten sein eigenes Lernen konstruieren. Damit sind Denken und Lernen nicht nur geprägt von sozialen Einflüssen, sondern die Kinder sind selbst soziale Phänomene im Zuge wechselseitiger Prozesse.
 

3. Pädagogisches Konzept: „Offene Arbeit“

Dem Konzept der „offenen Arbeit“ liegt ein Partizipationsverständnis zu Grunde, das alle Betroffenen zu aktiven Gestaltern und Akteuren ihrer Umwelt macht. Wir Erzieher vertrauen darauf, dass Kinder durch selbstinitiierte, -gesteuerte und -geregelte Situationen Chancen für optimale Lernvoraussetzungen, die zu ihrer persönlichen Entwicklung beitragen, finden können. Die Erzieher finden sich in der Rolle als Begleiter, Lernpartner, Zuhörer, Unterstützer, Berater und Coach wieder.

Da die Hausaufgaben- und Kleingruppen konstant sind, haben die Kinder eine feste Bezugsperson, die sie auch im Freispiel suchen können. Die offene Arbeit und das offene Konzept ermöglicht den Kindern Spiel- und Handlungsvielfalt mit und durch andere Kinder zu erfahren. Den Erziehern ermöglicht der stetige Austausch und das Miteinander einen Einblick aus erster Hand und einen Bezug für die gemeinsamen Erlebnisse, Situationen, gelebte Pädagogik, sowie das Verhalten der Kollegen und die Chance dieses gemeinsam zu reflektieren und neue Prozesse zu gestalten.

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